Hintergrundinfos

Die Unterbringung der Geflüchteten in Berlin und die Rolle von Wedding hilft

Viele Geflüchtete haben erst nach teils mehrjähriger Irrfahrt, Gewalt und Verlust von Familienangehörigen endlich das vermeintliche Ziel erreicht. Nun beginnt ein längerer bürokratischer Prozess.
In Berlin können Anträge bei der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAA) gestellt werden. Außerhalb der Sprechzeiten steht jede Polizeidienststelle für die Äußerung von Asylbegehren zur Verfügung. Zuständig ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo).

Bei Äußerung eines Asylbegehrens wird ein Personalbogen durch einen muttersprachlichen Dolmetscher aufgenommen. Ein Onlineverfahren entscheidet über die den zukünftigen Wohnort der Asylsuchenden. Die MitarbeiterInnen vor Ort weisen die Einzelpersonen oder Familien dann an Unterkünfte in anderen Bundesländern oder in die Berliner Bezirke weiter.

Leben in den Erstaufnahmeeinrichtungen

Im Wedding befinden sich diese derzeit in der Gotenburger Straße und der Pankstraße. Sie werden von der AWO Mitte betrieben. In diesen Erstaufnahmestellen teilt sich meist mindestens eine Familie einen Raum. Dort sollen die Geflüchteten bis zu drei Monate bleiben. In der Praxis ist der Aufenthalt aufgrund der belasteten Behörden oft länger (s.u.). Der Aufenthalt kann bei Anerkennung oder Abschiebung auch schon früher enden.

In diesen drei Monaten bekommen die Geflüchteten nur einen reduzierten Satz ihrer Sozialhilfe. Dafür werden sie mit abgepacktem Essen und Hygieneartikeln versorgt. Viele Geflüchtete bemängeln jedoch die kleinen Portionen und geringe Qualität des Essens und möchten lieber selbst kochen. Von der Kleidung, über die Kommunikation, bis zu Fahrkarten und Kosmetik geht alles andere zulasten des „Taschengeldes“, aufgeschlüsselt etwa unter dem Stichwort „Asylbewerberleistungsgesetz“ bei Wikipedia oder Flüchtlingsrat Berlin.

Umzug in eine Wohnung oder andere Unterkünfte

Nach den drei Monaten dürfen sich die Asylsuchenden theoretisch eine eigene Wohnung suchen. Von öffentlicher Hand stehen dafür 275 Wohnungen zur Verfügung, von denen knapp die Hälfte 1-Zimmer-Wohnungen sind. Dem standen im letzten Jahr rund 12.000 neu ankommende Hilfesuchende gegenüber. Viele private Vermieter scheuen sich leider aufgrund von Vorurteilen oder bürokratischen Problemen (z.B. plötzliche Abschiebung), an Geflüchtete zu vermieten. Unterstützung soll seit Februar 2014 das Evangelische Jugend- und Familienwerk (EJF) in der Turmstr. 21 leisten, das aber ebenfalls unzureichend ausgestattet ist. Es gibt allerdings eine steigende Tendenz von WGs, die einzelne Geflüchtete bei sich aufnehmen.

Vielen bleibt daher vorerst nur der Umzug in eine andere Einrichtung bis zur endgültigen Entscheidung, ob der Antrag angenommen wird. Der erneute Wohnortwechsel ist vor allem für die Kinder schwierig, die sich gerade in ihre Klassen eingewöhnt haben.

Im Februar 2015 ist die Übernahme in andere Heime auf gesamtstädtischer Ebene nach wie vor problematisch, da in Berlin alle Anlaufstellen überlaufen sind. Der staatlichen Verwaltung gelingt es nach wie vor nicht, die Geflüchteten den vorgesehenen Standards gemäß zu versorgen. Dies ist besonders bedauerlich, da sich die steigenden Zahlen schon seit Jahren abzeichnen. Deshalb bleiben die BewohnerInnen häufig länger als die drei Monate den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Die Rolle von „Wedding hilft“

Als NachbarInnen gründeten wir Mitte November 2014 das Unterstützungsnetzwerk „Wedding hilft“. Wir unterstützen die BewohnerInnen der Unterkünfte in ihrem neuen Alltag. So bieten Ehrenamtliche Deutschkurse, Beratungen, Behördenbegleitung, Sport und Kinderbetreuung an. Außerdem wurden Sachspenden abgeholt und nun sortiert. Freiwillige melden sich bitte bei den Ansprechpersonen für die Aktivitäten.

Ausführliches Material findet sich bei:

Flüchtlingsrat Berlin: Wohnungssuche für Flüchtlinge:

http://www.fluechtlingsinfo-berlin.de/fr/pdf/Reader_Wohnen_Asyl_2014.pdf

ProAsyl: Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland: Regelungen und Paxis der Bundesländer im Vergleich:

http://www.proasyl.de/fileadmin/fm-dam/NEWS/2014/Laendervergleich_Unterbringung_2014-09-23_02.pdf